Österreich E-Control: Energiemarkt weiter in Bewegung
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E-Control: Energiemarkt weiter in Bewegung

Veröffentlicht von Österreich
Kunden profitieren von lebhaftem Wettbewerb – Verbraucher kennen sich recht gut aus – Energieverbrauch beschäftigt Haushaltskunden

Wien (OTS) - Der Wettbewerb ist auch 2017 in Bewegung geblieben. Neben den höchsten Wechselzahlen seit Beginn der Liberalisierung sind auch die Einsparpotenziale bei einem Wechsel weiter sehr hoch, 26 Lieferanten haben ihre Strompreise reduziert und somit die Senkungen am Großhandelsmarkt an ihre Kunden weitergegeben. Bei der Entwicklung der Endkundenpreise im Gas gab es keine großen Veränderungen, großflächige Preissenkungen blieben 2017 aus. „Dass der Preis nach wie vor das Hauptargument für einen Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten ist, zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage unter 1.000 österreichischen Haushalten[1]. Demnach haben von den 25 Prozent jener Befragten, die bereits einmal ihren Lieferanten gewechselt haben, dies zu 87 Prozent aufgrund des Preises getan. Im Vorjahr haben dies noch 80 Prozent der Befragten als Grund genannt.“, erläutert der Vorstand der E-Control, Wolfgang Urbantschitsch, die Ergebnisse der Befragung.

Auch die Möglichkeit eines Onlinewechsels wird stärker als je zuvor in Anspruch genommen, wodurch die postalische Nutzung naturgemäß weiter stark zurückgegangen ist. „Damit zeigt sich, dass der Trend zur Digitalisierung auch beim Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten angekommen ist.“, so Urbantschitsch.

Dynamik für Haushalte bei Strom und Gas

Insgesamt sind derzeit rund 150 Stromlieferanten am heimischen Strommarkt tätig, die rund 5 Millionen Haushalte, Gewerbebetriebe und sonstige Kleinkundinnen und -kunden beliefern. „Je nach Region stehen in der Regel einem angestammten Lieferanten 25 alternative Lieferanten gegenüber. In Wien beispielsweise kann ein Haushaltskunde zwischen 125 Angeboten von rund 50 Anbietern wählen, auch in Vorarlberg und Tirol ist das Angebot inzwischen gleich breit geworden.“, weist Urbantschitsch auf die Dynamik am Strom- und Gasmarkt hin.

Insgesamt 44 Gaslieferanten beliefern 1,3 Millionen Haushalts- und Kleinkunden in Österreich mit Gas. Das Gasangebot in Tirol und Vorarlberg hat sich seit der Einführung des neuen Marktmodells und der Öffnung des Retailmarktes im Oktober 2013 kontinuierlich erweitert. Während es noch im Jahr 2012 mit goldgas lediglich einen alternativen Anbieter gab, bekommen Kleinkunden in Tirol inzwischen bis zu 80 Angebote von 26 unterschiedlichen Anbietern. Im Marktgebiet Ost haben Haushalte ein noch etwas breiteres Angebot mit über 90 Angeboten von 32 Anbietern.

Viele Unterscheidungsmerkmale bei den Produkten

Die Steigerung der Angebotsanzahl ist nicht nur auf neue Markteintritte zurückzuführen, sondern auch auf die weitere Angebotsdifferenzierung, die bei vielen Lieferanten stattfindet. „Die Produkte unterscheiden sich durch Einführung von weiteren Merkmalen wie Online- und Offline-Produkte, integrierte und nicht integrierte Rechnungslegung, Bindungsfristen, Zertifizierung des Stroms aus erneuerbaren Energien bis zu speziellen Dienstleistungsangeboten wie Installation und Förderung von PV-Anlagen, spezielle Vergünstigungen für Wärmepumpenbetreiber und vieles mehr. Mit dem erneuerten Tarifkalkulator der E-Control, der mit Ende Oktober 2017 mit neuen Funktionalitäten online gegangen ist, wurde auch auf diese Bereiche verstärkt Bezug genommen. Und dass dies von den Usern erkannt und genutzt wurde, zeigen unsere aktuellen Analysedaten.“, erläutert Urbantschitsch.

So suchen die Nutzer beispielsweise bei 47 Prozent aller Abfragen gezielt nach Angeboten, die eine Gesamtrechnung für Energie und Netz anbieten durch Setzen des entsprechenden Filters. Bei 31 Prozent der Abfragen wird per Filter explizit nach Ökostrom gesucht und in bereits 24 Prozent der Fälle wird der neu eingeführte Filter „Strom aus Österreich“ gesetzt, um nur Angebote mit österreichischen Stromherkunftszertifikaten anzeigen zu lassen.

Auch die verschiedenen Preismodelle werden von den Verbrauchern zur Differenzierung erkannt und genutzt. Mit Abstand am beliebtesten ist hier die Vorauswahl nach Produkten mit Preisgarantie. Bei 41 Prozent der Stromabfragen wird dieser Filter gesetzt.

„Dass auch die ganz neuen Optionen des Tarifkalkulators bereits eifrig genutzt werden, kann als erfreuliches Zeichen für eine zunehmend aktivere Kundschaft gewertet werden. So sind rund 6 Prozent der Abfragen solche, die die Überschusseinspeisung aus Photovoltaik-Anlagen mit berücksichtigen und bei ebenfalls rund 6 Prozent wird das Lastprofil eines Smart-Meters für den Vergleich genutzt, um die – bislang noch vergleichsweise wenigen – Angebote mit zeitabhängigen Energiepreisen vergleichen zu können.“, zeigt sich Urbantschitsch erfreut.

Verbraucher kennen sich recht gut aus

„Im siebzehnten Jahr nach der Strommarktliberalisierung haben wir den Eindruck, dass die Kundinnen und Kunden sich recht gut im Strom- und Gasmarkt zurecht finden“, ist Urbantschitsch überzeugt. „Ausgehend vom Nutzerverhalten im Tarifkalkulator können wir davon ausgehen, dass zum Beispiel 83 Prozent der Anwender ihren Stromverbrauch kennen, wenn sie das Tool benutzen. Vor ein paar Jahren war unsere Erfahrung hier noch eine ganz andere.“

Auch das immer wieder diskutierte Thema der Neukunden- oder Wechselrabatte scheint die Verbraucher weniger zu verunsichern, als häufig unterstellt wird. Bei immerhin

30 Prozent der Tarifkalkulatorabfragen werden diese von den Nutzern schon vorab per Mouseklick ausgeschlossen. Ein deutliches Indiz dafür, dass die Anwender sowohl mit dem Thema als auch mit der Technik umzugehen wissen.

Das bestätigen u.a. auch die Ergebnisse der aktuell von der E-Control durchgeführten Verbraucherumfrage. Zwei Drittel der Haushalte (73 Prozent), die angeben, bereits ein oder mehrmals den Anbieter gewechselt, oder dies zumindest in Erwägung gezogen zu haben, sind Neukundenrabatte bekannt. 85 Prozent schätzen dabei auch deren begrenzte Laufzeit und 56 Prozent deren ungefähre Höhe korrekt ein.

Vergleichen macht sicher

Dass die Haushaltskunden bei Strom und Gas zunehmend vergleichen zeigt sich auch über den E-Control Tarifkalkulator hinaus. Ausgehend von den Zahlen aus dem eigenen Tarifkalkulator und unter Einbeziehung der veröffentlichten Angaben von weiteren Vergleichsportalen und -aktionen - wie durchblicker oder der Aktion Energiekosten-Stopp des VKI - schätzt die E-Control, dass mittlerweile deutlich über 50 Prozent der Anbieterwechsel auf Basis eines vorhergehenden Vergleichs auf einem online Vergleichsportal geschieht.

Seit dem offiziellen Relaunch am 20. Oktober letzten Jahres verzeichnete der neue Tarifkalkulator über 190.000 Besuche und damit bereits ein Plus von rund 15 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

Einsparpotenzial nach wie vor sehr hoch

Kundendynamik und Einsparpotenzial korrelieren miteinander. Nachdem das Einsparpotenzial beim Wechsel vom angestammten Stromlieferanten zum Bestbieter Ende 2015 und Anfang 2016 am stärksten gestiegen ist, hat sich dieses mittlerweile auf diesem hohen Niveau eingependelt.

So spart sich ein Haushaltskunde in Oberösterreich beim Wechsel des Stromlieferanten aktuell rund 320 Euro im ersten Jahr, also inklusive Neukundenrabatte, ohne Neukundenrabatte rund 220 Euro.

Bei Gas beträgt die Ersparnis für einen Durchschnittshaushalt in Klagenfurt rund 650 Euro inklusive Neukundenrabatte, ohne Neukundenrabatte rund 300 Euro.

Aber nicht nur der Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten bringt bares Geld, auch innerhalb des bestehenden Lieferanten gibt es oft günstigere Möglichkeiten. „Dass dies aber noch nicht sehr im Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten verankert ist, zeigt die aktuelle Verbraucherumfrage. Demnach haben zwei Drittel der Befragten noch nie beim bestehenden Anbieter einen neuen Tarif gewählt. Die Information über diese Möglichkeit ist also durchaus noch ausbaufähig.“, so Urbantschitsch.

Preise für die Industrie weiter sehr niedrig

Die Preise für die Haushaltskunden sind im Strombereich im Jahr 2017 relativ stabil geblieben. Dagegen sind die Industriepreise auch im vergangenen Jahr – obwohl nur mehr leicht – gesunken. Auch im Gasbereich blieben die Haushaltspreise im Jahresvergleich relativ stabil, während die Industriepreise in der ersten Jahreshälfte 2017 weiter gesunken sind.

Neuer Claim

Im Rahmen der im Jahr 2017 entwickelten Strategie der E-Control wurde auch der Claim einer Neuerung unterzogen und entsprechend angepasst. „Unter dem Slogan „Unsere Energie gehört der Zukunft“ soll die Arbeit der E-Control noch stärker als zukunftsorientiert, fachlich kompetent und engagiert wahrgenommen werden.“, erläutert Urbantschitsch.

Regulierung der Strom- und Gasnetze – Planungssicherheit im Vordergrund

„Für die Strom- und Gasnetzbetreiber ist eine ausreichende Planungssicherheit von großer Bedeutung. Um die zugestandenen Kosten planen zu können, sind mehrjährige Anreizregulierungsperioden im Einsatz.“, erläutert der Vorstand der E-Control, Andreas Eigenbauer. Für die Gasverteilernetzbetreiber hat Anfang 2018 die dritte Anreizregulierungsperiode für die Dauer von weiteren fünf Jahren begonnen. Die Grundlagen dafür wurden im Jahr 2017 vorbereitet und entschieden. Für die Stromverteilernetzbetreiber läuft die aktuelle Regulierungsperiode im heurigen Jahr aus und ein neues ab 2019 geltendes Modell ist zu entwickeln. „Entsprechende Vorbereitungen für ein längerfristiges Strommodell haben die E-Control bereits in den letzten Jahren beschäftigt. Nun beginnt die intensive Detailausgestaltungsphase, welche einen Schwerpunkt der Tätigkeit der Regulierungsbehörde im heurigen Jahr darstellt.“, so Eigenbauer.

Internationale Regelwerke

Die Europäische Union bereitet derzeit Regelungen vor, wonach grenzüberschreitende Strom-Transportkapazitäten gesteigert werden sollen. „Damit sollen die Synergien unterschiedlicher Versorgungs- und Erzeugungsstrukturen in unterschiedlichen Regionen und die bestehende Leitungsinfrastruktur optimal genutzt werden.“, erläutert Eigenbauer. Generell führt die Harmonisierung von Regelwerken auf europäischer Ebene – beispielsweise die sogenannten Netzkodizes aus dem 3. Paket der Energiemarktliberalisierung – dazu, dass der EU-weite Strom- und Gasmarkt nach einheitlicheren Regeln betrieben wird. „Die Umsetzung der verschiedensten Netzkodizes und Leitlinien hat die E-Control auf internationaler Ebene im vergangenen Jahr intensiv beschäftigt und steht auch 2018 auf der Agenda.“, so Eigenbauer.

Versorgungssicherheit bleibt im Fokus

„Auch 2017 war die sichere Versorgung der heimischen Konsumentinnen und Konsumenten mit Strom und Gas im Fokus der E-Control und wird dies auch im heurigen Jahr bleiben. Schließlich gilt es, auch im Winter oder bei extrem kalten Temperaturen, wie wir sie Ende Februar hatten, eine stabile Versorgung gewährleisten zu können. “, betont Eigenbauer. Gerade der Jänner 2017 hat gezeigt, dass die heimischen Wärmekraftwerke für die Deckung der Stromnachfrage im Winter nach wie vor von großer Bedeutung sind, soll es nicht zu einer wesentlichen Importabhängigkeit Österreichs kommen. Hier ist eine breit angelegte Diskussion notwendig.

Herausforderungen 2018

Die Veränderungen im Energieversorgungssystem hin zu erneuerbaren Energieträgern, dezentralen Versorgungsstrukturen, internationaler Vernetzung und die Nutzung der Möglichkeiten der Digitalisierung werden zukünftig noch weiter verstärkt. Das sieht nicht zuletzt auch das Regierungsprogramm für Österreich vor. „Hier heißt es auch für die Regulierungsbehörde, sich auf Veränderungen und Herausforderungen einzustellen und diese aktiv mitzugestalten.“, so Eigenbauer abschließend.  

Quelle: APA/OTS

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